Der Pianist, Komponist und Improvisator Klaus Treuheit trat ab Ende der 70er Jahre zunächst
im Jazzidiom in Erscheinung. Seither Produktion seiner Kompo-
sitionen für den Rundfunk
(u.a. BR, RAI). Zahlreiche Tonträger sowohl als Solist
als auch mit seinen Ensembles.
Er verfasste Bühnen- und Filmmusik, auch für
Aki Kaurismäki. Konzertierte u.a.in Brasilien,
Italien, Spanien, Frankreich und
in New York (mit Ed Ware und Hal Onserut).
Projekt mit dem Living Theatre ("This House Is Mine", 1995).
Leitet seit 1995 ein CD-Label. 1998 veröffentlichte er "Inquisitorien" für präpariertes Piano.
Ankauf seiner CDs durch die British Library (Sound Archives). Es gelang ihm damit Verbindungen nach England, Italien, Frankreich und Japan aufzubauen.
Künstlerischer Leiter der "Spielraum"- Reihe von 2003 - 2008.
Weitere wichtige Werke sind: "beyond" (KTMP 5306), "Madrigali, 1°libro" (KTMP 2003),
"Madrigali, 2° & 3°libro" (KTMP 2005), "katachi" (KTMP 5307) und
"beach crossing" (KTMP 5308).
Musikalische & wissenschaftliche Stationen:
Meisterkurs bei Herbie Hancock & Tony Williams am Mozarteum Salzburg 1987 Masterclass
bei Barry Harris' Jazzworkshop New York 1992, Interpretationskurs von & mit George Crumb,
Musikhochschule Wien 1994. Als Stipendiat Arbeit in Berlin & Paris: Dr. phil. (mcl) 1984;
Stipendiat des Istituto Italiano per gli Studi Filosofici, Neapel: Seminare 1988, 1989, 1990
mit Remo Bodei (Ästhetik), Paul Ricoeur (Hermeneutik), Leo Löwenthal (Literatur).
Lehrauftrag für Soziologie der Universität Erlangen 1988-1994.
Gastspiele:
New York (mit Ed Ware, Hal Onserut, Chris Kelsey, Blaise Siwula) u.a. Knitting Factory,
Studioaufnahmen 1996, Paris (Competition Martial Solal 1989), Nimes, Rennes, Dunkerque,
Venedig, Mestre, Padua, Bozen (Museum für Moderne Kunst 2005), Neapel, Taormina (Prima Edizione 2000),
Meran (mit Lou Grassi, 2007), Krakau (SoloDuoTrio 1988), Wladimir, Eskilstuna, Barcelona,
Salzburg, Berlin (Berlinale 1999), Köln (Loft 1996), Wuppertal, Essen (Folkwang Hochschule),
Hamburg, Nürnberg (Jazz Ost-West 1988), K 4 (mit Lou Grassi, 2007), Dresden (FIM-Festival 2005),
Jena, Regensburg, München (ZKMax, mit Yehlin Lee, 2005), Freiburg; Brasilia, Sao Paulo
(mit Livio Tragtenberg), Sao Bento do Sapucaí, Guaiùba, Fortaleza (Conservatorio, 2006,
mit David Krebs und Jerônimo Neta), Tiflis …
Vorträge (Auswahl):
-"Next to (far away)":
Zum Schaffen Rainer Thomas', Kunsthaus Meiningen, Juni 2010
-"Die scheinbar beschaulichen Ansichten":
Vortrag zur Ausstellungseröffnung "Rainer Funk",
5.2007, KREIS Galerie, Nürnberg, Abdruck: Rainer Funk: Malerei und Grafik,
(ISBN: 978-3-00-019911-0)
-"Idols/Idole/Idoles/Idolos" "Zu den Montagen":
Text im Kunstkatalog Marianne Stüve, Nürnberg 2007
-"Oswaldo Fórty":
Katalog der Geis-Collection, Nürnberg 2007, Text deutsch/english, p.52-59
-"Musik als gehörte Wirklichkeit":
Vortrag anläßlich der interdisziplinären Konferenz "Mulitple Realitäten" an der Universität Halle, 2001; Frankfurt/Main, 2003 (Peter Lang),
Herausgeber: Matthias Kaufmann
-"Listening to Music":
Lecture delivered on the occasion of the AEGEE-conference, july 6. 1996, Universität Erlangen.
aus einem feature:
von Andreas Radlmaier (2000):
Die Grundvoraussetzungen für die eigene Legendenbildung hat der Musiker und Komponist mit dem
schulterlangen Silberhaar längst hinter sich. Mitte der 80er Jahre traf er bei den Grenzlandfilmtagen
in Selb den finnischen Filmregisseur Aki Kaurismäki. Aus einer Festivalbegegnung wurde der Beginn einer
langen tönenden Freundschaft. Drei Soundtracks hat Treuheit mittlerweile für den extravaganten
Kaurismäki abgeliefert - "Schatten im Paradies", "Mädchen aus der Streichholzfabrik",
"Ariel" - mit Option auf weitere Einsätze. Seitdem ist Film- und Bühnenmusik für ihn
"keine Garantie zum Überleben", aber ein Standbein mit Perspektive. Für das renommierte
Kindertheater "Pfütze" war er einige Jahre fast Hauskomponist und arbeitet seitdem immer
wieder für Theater. Eine Arbeit, die für den Komponisten überhaupt nichts Anrüchiges hat.
Denn auf Hintergrundgeräusche lässt er sich da nicht ein: "Ich möchte, dass auch im Film
oder im Theater die Musik auf der Höhe der Inszenierung ist "
Der Erlanger Förderpreisträger weiß genau, was er nicht will: sich auf Gedeih und Verderb den
Gesetzen des Musikgeschäftes ausliefern.
Die Laufbahn des Pianisten, der mit fünf Jahren das Klavierspielen begann, hat schon manche
Wendung genommen. Zunächst wollte er Chemieingeneur werden, machte in Ludwigshafen eine Ausbildung
zum Chemielaboranten, wechselte auf die Fachoberschule nach Fürth - und studierte dann doch
etwas ganz anderes: Soziologie, Philosophie und Politik, promovierte und hatte bis 1994 einen
Lehrauftrag an der Universität Erlangen. Zu dieser Zeit kamen immer "mehr Einflüsse und Eindrücke,
die ich im konventionellen Jazzbereich nicht verwirklichen konnte". Er setzte eine Zäsur: Setzte
radikal auf Musik. Der Pianist, der mit seinem Trio "Nardis" in den 80ern nach den Wurzeln aus den 50ern grub,
dachte die Welt des Cecil Taylor, der unterschätzten Schlagzeuger Pete LaRoca & Donald Bailey oder
von Morton Feldman weiter und wurde zum eigensinnlichen Experimentator. Ob im Solo-Flug mit
tastenden und zupackenden Reflexionen zur Musikgeschichte, mit seinem Trio,
im Duo mit wechselnden Partnern wie dem Baßklarinettisten Rudi Mahall, dem Free - Jazz - Urgestein
Peter Kowald, dem Schlagzeuger Walter Bittner oder mit einem Streichtrio. Immer ging es Treuheit
dabei um die Kunst des konzentrierten Dialogs." Spannend sei das Ganze", befand die Münchner
Abendzeitung, " - und auf jeden Fall jenseits ausgetrampelter Jazz-Pfade". Oder wie das Nürnberger
Stadtmagazin Plärrer befand: "Imstande den Hörer mit offenen Ohren zu beflügeln!"
"Man kann doch nicht sehenden Auges rückwärts gehen", sagt der Mann, der Jazz als Musizierhaltung
und nicht als Museumsarbeit begreift. Wie in anderen Bereichen müsse man unterscheiden zwischen
"kreativ oder nachschaffend". Es ist diese Lust aufs Spontane, auf Veränderung, die Klaus Treuheit
vorantreibt: Er ist offen - für (fast) alles.

